Freitag, September 15, 2006

nebelhörner vor weimar.

mein leben dümpelt gerade so vor sich hin. ich bemerkte es, als ich heute aus dem badezimmer in die küche schlurfte, eins am nachmittag einschaltete und mich an den frühstückstisch fallen ließ: mein leben lag noch im bett, grunzte und schlief wieder ein. es schien mir daher angebracht, das klärende gespräch über die anstehende zukunftsgestaltung - ähnlich wie gestern - auf morgen zu verschieben.

ich schmierte mir zunächst einmal ein dinkelbrot. während ich langsam das dinkelbrot verzehrte und in einem magazin blätterte, um mich über irgendwelche neuigkeiten im besonderen und das geschehen im allgemeinen zu informieren, und während im hintergrund das radio säuselte, ich noch zwei weitere dinkelbrote im reggae-takt mit aufstrich beschmierte und weiter in dem magazin herumblätterte, während ich also frühstückte, und zwar so, wie ich es nun schon immer mache, währenddessen passierte, ich muss es sagen, nichts. auch draußen, im innenhof, bewegte sich nichts. nicht einmal die innenhofkastanie ließ irgendetwas auf das innenhofpflaster fallen.

ich dachte nach. einerseits, dachte ich, kann das dümpeln nicht so verkehrt sein, schließlich kommt alles, was ist, aus der ursuppe, und die ursuppe ihrerseits kommt ja wiederum aus etwas, was man mit nichts bezeichnen könnte. andererseits ist das dümpeln natürlich ein gefundenes fressen für unerwünschte gedanken, denn mit den gedanken verhält es sich ja so wie mit dem surfen im internet: plötzlich poppt irgendwo aus dem nichts ein werbetäfelchen auf und wirbt um aufmerksamkeit, genauso die unerwünschten gedanken. dauernd wollen die was von einem, betteln wie kleine kinder, das reinste indien.

schuld an der misere mit den unerwünschten gedanken gab ich schließlich dem ackerbau und der pökelei. vorher, so entschied ich, gab es den ganzen tag nur sammeln und jagen und essen und schlafen und trieb und dann alles wieder von vorne, da war keine zeit für einen gedanken, geschweige denn für ein dümpeln. jedoch wo gepökelt und geackert wird, so schlussfolgerte ich, da ist man sesshaft, da teilt man arbeit, und wo genug nahrung vorhanden ist, da gibt es auch muße, da findet der mensch geschmack am denken. fällt mir zum beispiel ein berühmter krauskopf ein, auch schon lange tot jetzt, jedenfalls hat der darüber nachgedacht, was einen vernünftigen gedanken von anderen gedanken unterscheidet. das hat der so gut gemacht, dass wir heute noch in einer gedankensuppe schwimmen, die dieser gedankenkoch damals angerührt hat. gibt auch eine komödie über ihn, wolken auf deutsch, so berühmt war der.

und wo ich sage wolken.

vollkommen von gedanken umwölkt saß ich also am frühstückstisch, als mir plötzlich dieses chinesische sprichwort wieder einfiel. bekanntlich hat sich der chinese ja auch gedanken über das denken gemacht, und wie es bei den chinesen gute tradition ist, hat er ein schönes sprichwort dazu geschmiedet. um unerwünschte gedanken loszuwerden, so das sprichwort, solle man sich selbst als berg und seine gedanken als wolken denken. der berg natürlich stur und unbewegt bis dorthinaus, läßt die gedankenwolken einfach weiterziehen. kann ihm ja egal sein, wo die hin verschwinden.

und wie ich mich so in dieses bild hineindachte - ich als berg und meine gedanken als mir fremde wolken -, da begegnete ich meinem atem mit wachsender achtsamkeit: ich spürte die kühle luft durch meine nase hinein- und wieder hinausströmen, atmete ein und atmete aus, ein kommen und gehen ganz von alleine, nichts, was noch zu tun wäre ... tief einatmen ... und wieder ausatmen ... tieeeeff einnnnnaaaatmennn und wieder aussssaaaaatmennn ... tiiiiiiiiiiieeeeeeeeeffffffff ....

und dann war ich plötzlich der watzmann. erstaunlich, aber ich fühlte mich tatsächlich als watzmann. mit den wolken hatte ich naturgemäß keine probleme, da hatte der chinese schon ganz recht gehabt. allerdings: nach einer weile ging mir der eitle jenner unglaublich auf die nerven. und dann bemerkte ich auch noch, dass bärtige alpinisten und kindergruppen mit gelben und roten erkennungsmützen auf mir herumtrampelten. es war nicht auszuhalten.

und dann sah ich auch schon wieder das dinkelbrot in meinen händen. und dann fiel mir ein, dass ich mal die geschichte aufschreiben könnte, wie ich einmal auf der a 4 von einem vierzigtonner fast zu kompost degradiert worden wäre. eine gute überschrift für die geschichte hatte ich schon, es schien mir aber angebracht, das schreiben der geschichte vorerst zu verschieben.



watzmann (abb. ähnlich)

13 Comments:

Anonymous Lu said...

ich proste mit milchkaffee zu!

8:19 vorm.  
Blogger samoafex said...

Schön, diese Frühstücksreise von Griechenland über China bis zu den Alpen.

Und der Vergleich Gedanken und Pop-Ups, den finde ich sehr treffend.

10:54 vorm.  
Anonymous Opa said...

ich kann meine rechte hand nicht mehr bewegen aber sonst gehts mir gut

12:27 nachm.  
Anonymous und³ said...

mmmmnnjaaaaaahhhh. ich komme gerade vom wannsee, da gibt´s bekanntlich keine berge.

6:21 nachm.  
Anonymous q1fanty said...

ihre gedankenwolken haben sie aber ganz schön im stich gelassen. wie sind sie nur darauf kommen, dass sie der watzmann wären.

das bild zeigt sie doch eindeutig als den kleinen und den großen ararat. und das pieken der alpinisten, dass sie wohl vergaßen zu erwähnen, waren die schaschlickspieße der armenier, die ihren berg wieder haben wollen.

der berg jedoch hatte nichts anderes zu tun, als die wolken aus china auf ihrem weg nach europa aufzuhalten, solange bis gott den bösen könig watze zu stein verwandelt.

[jetzt hol ich mir aber ganz schnell frühstücksschrippen...]

12:10 nachm.  
Anonymous burnster said...

Auch wenn diese Tatsache zu großartigen Texten wie dem vorliegenden führt, aber einen an der Marmel haste schon.

8:56 nachm.  
Blogger undundund said...

ararat - da war doch auch was mit noah, oda?

(das pieken der alpinisten - ein schöner romantitel, wie mir scheint)

und, herr brenner, ich habe nicht nur eine marmel, sondern auch eine murmel, eine ganz spezielle sogar, nämlich aus dem marmarameer - eine marmarameermurmel sozusagen.

(wußten sie übrigens, dass die malenter marmelente die einzige art der gattung marmaronetta ist?)

9:57 nachm.  
Anonymous isabo said...

Om mani padme hum soll helfen, wenn Sie das cirka eine Million mal vor sich hinsagen. Oder das, was ich hier unten eintippen soll, nämlich pbqbnmfb. Wenn wir das dann bitte als Podcast haben könnten?

11:17 nachm.  
Blogger undundund said...

pfuh.

4:08 vorm.  
Anonymous q1fanty said...

na wenn ihnen das "pieken" so gefällt, machen sie doch was draus. sie wollten doch sowieso in die verlage. vielleicht klappt ja so schneller.

herr und, haben sie eigentlich schon mal gezählt, wie oft sie in den kommentaren gefragt wurden, ob sie ein an marmel, mummel oder sonstwo haben? das wäre doch wirklich mal ein interessante statistik.

1:59 nachm.  
Blogger undundund said...

statistiken lehne ich grundsätzlich ab, herr q1fanty.

11:53 nachm.  
Anonymous poodle said...

Der Krauskopf mit dem Gedankenzeugs, das war doch der Roberto Blanco, oder? Wusste ich gar nicht, dass der schon gestorben ist.

12:18 vorm.  
Blogger undundund said...

das, herr poodle, verwechseln sie jetzt wieder mit herrn kaiser, roland, der sich allerdings auch mal gedanken gemacht hat: frei, das heißt allein, so der titel eines liedes aus seiner existentialistischen phase.

roland kaiser heißt übrigens ronald keiler, bürgerlich.

11:58 vorm.  

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