Montag, August 28, 2006

manchmal gehen mir bestimmte bemerkungen auf die nerven. nicht, dass sie inhaltlich aufregenswert wären, vielmehr dass sie nur zur sprache bringen, was ich mit meinen eigenen augen ohnehin schon sehe. als ob das gesehene erst durch das aussprechen seine bestätigung finden würde. aha, die staatsoper. vielleicht ist es das bedürfnis nach sätzen, die nur bestätigt werden können, was mich insgeheim nervt: gezwungen, etwas erwidern zu müssen, was nur eine belanglose bestätigung sein kann, will man nicht unhöflich schweigen, was zwangsläufig ein sprechendes schweigen wäre. dort, der gendarmenmarkt.

(ich höre eigentlich sehr gerne: die unmöglichkeit, dem fremden - dem klang - etwas eigenes entgegenzusetzen, gibt dem hören etwas unmittelbares, verwickelt einen mit den dingen, ohne etwas tun zu müssen, im gegensatz zur aktivität des sehens, das wie das denken gerade aufgrund seiner aktivität auf distanz zu den dingen aus ist. das richtige hören als eine passive aktivität, wo klang und sinn unmittelbar aufeinander bezug nehmen und ohne zwischenräume eine einheit bilden.)

die kunst, das gehörte zu betrachten: wenn der wunsch nach distanz sich im eigenen sehen äußert, wenn eine scheinbar sinnlose dopplung zwischen hören und sehen nervend wird.
die nerven, jaja.

haben sie das etwa gerade gelesen?

15 Comments:

Anonymous nachtschwester said...

Ja, aber im Mittelteil nicht verstanden ;-)

2:35 vorm.  
Anonymous Ingo said...

Nett, jetzt weiß ich warum ich oft ungern zuhöre - ist mir zu passiv ;-)

8:17 vorm.  
Anonymous Opa said...

Wenn du wählen müsstest zwischen nicht mehr hören oder nicht mehr sehen zu können, was wäre schlimmer?

Ich habe mir diese Frage oft gestellt und kann sie bis heute nicht beantworten.

10:31 vorm.  
Blogger undundund said...

öhm. ich war wohl gestern abend etwas ding (der viele schlaf).

die wahl zwischen hören und sehen allerdings könnte ich ohne weiteres beantworten: nicht mehr sehen zu können wäre für mich um ein vielfaches schlimmer, als nicht mehr hören zu können.

10:48 vorm.  
Blogger samoafex said...

Meinst du im Mittelteil: vom Ohr direkt ins Herz/Hirn, ohne bewusst seine Ohrmuschel in die Richtung des Gehörten drehen zu müssen?

Und ansonsten: Überflüssige, da Information verdoppelnde, Bemerkungen regen mich manchmal auch auf (Jemand kommt zur Tür rein, man nickt ihm zu. Er: "Ich wär' dann da.") - andererseits bieten sie auch Gelegenheit zu ironischen/sarkastischen/zynischen Erwiderungen (Es regnet. A sagt: "Es regnet." B sagt: "Gott sei Dank, ich dachte schon, die Gravitation hätte sich umgekehrt und der Boden tropft.")

Und zwischen hören und sehen wählen könnte ich ja gar nicht - sehen ist super, hören ist super. Filme würden mir fehlen, Musik würde mir fehlen. Warum tendierst du denn zum Sehen, wenn ich fragen darf?

12:09 nachm.  
Blogger undundund said...

na, ich meine: beim hören kann man nicht viel dran drehen, der klang bleibt sich gleich und ist unmittelbar da, während, wenn ich ein objekt betrachte, es aus verschiedenen perspektiven betrachten kann, wobei sich das erscheinungsbild des objektes ja immer wieder ändern kann --> das objekt bekommt dadurch etwas selbständiges, von mir getrenntes, während der klang ja immer ein unmittelbares "hörereignis" ist.

und das sehen würde ich vorziehen, weil mit dem auge schlicht mehr informationen über die welt ins hirn kommen ...

3:52 nachm.  
Anonymous kreuzberger said...

Ich habe diesen Text jetzt gerade mal kommentiert.

5:16 nachm.  
Anonymous poodle said...

Ich tendiere zwar auch zum Sehen, aber dass der Klang »sich gleich bleibt und unmittelbar da ist«, das glauben Sie nur. Bzw. das würde wahrscheinlich fast jeder unterschreiben, aber nur, weil fast jeder in erster Linie sieht. Wären Sie blind, würden Sie vermutlich staunen, was im Klang so alles steckt.

10:09 nachm.  
Anonymous croco said...

...zu viele worte...

2:07 nachm.  
Blogger undundund said...

ja, das wird so sein, dass man eine höhere sensibilität für klänge und geräusche entwickelt, wenn man erblindet bzw. blind ist. aber darauf wollte ich ja gar nicht so hinaus: ich denke, man kann klänge und töne sicher noch differenzierter wahrnehmen, aber eben nicht von sich aus beeinflussen, da das hören ja wie der tastsinn fast ausschließlich rezeptiv ist (deswegen 'unmittelbar'), während es beim sehen viel eher möglich ist, die dinge auf verschiedene weise & selbständig zu erkunden.

2:23 nachm.  
Anonymous Mlle Händel said...

Ja. Deshalb ist Musik wohl auch die unmittelbarste Kunstform, weil man sich ihr nicht entziehen kann und sie zwangsläufig etwas mit einem anrichtet, während man bei blöden Bildern einfach die Augen zumachen kann.

2:54 nachm.  
Blogger undundund said...

hörig sein, gehorsam, gehorchen hat ja auch alles mit unterwerfung/passivität zu tun, und wegen ihrer unmittelbarkeit ist musik ja schon immer als ambivalente bzw. gefährliche kunstform empfunden worden.

3:35 nachm.  
Anonymous Mlle Händel said...

Einsichtig hingegen ist man von selber.

3:51 nachm.  
Blogger undundund said...

hört, hört!

4:13 nachm.  
Anonymous Opa said...

Keine Musik mehr? Schlimm.

Das Sehen kann man auf kürzere Distanz immer noch durch fummeln ausgleichen.

Und schmecken, na ja, Food Stylisten werden mir widersprechen.

Für mich ist es auch wichtig, wie ein Mensch riecht.

Und manchmal, auch bei Menschen, wäre es eine Gnade, nicht sehen zu müssen.

Nein, so einfach ist das für mich nicht.

12:32 vorm.  

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