Freitag, Januar 06, 2006

vom stolze.

heute habe ich ein wenig nachgedacht. und zwar über den stolz. gut, nicht den ganzen tag nachgedacht; einkaufen, essen, telefonieren, ein bisschen arbeiten – das schon. aber nebenbei eben auch ein bisschen nachgedacht. das geht ganz gut. da hat einer von diesen shaolin-mönchen und ziegelsteinhackslern ganz recht gehabt mit seinem spruch: „willst du das ziel treffen, ziele ein wenig daneben“, sprich: das wichtige darf man nicht mit aller macht wollen, sondern nur so nebenbei, im vorbeischlendern und flanieren. im trödeln und abschweifen. obwohl, wenn ich es mir jetzt noch einmal so recht überlege: an manchen orten sollte man den spruch lieber nicht ankleben. jetzt bin ich abgeschwiffen. und siehst du: so schnell geht das und ganz einfach noch dazu. jetzt aber zum ergebnis des nachdenkens.

am anfang frug ich mich, ob es einen richtigen und einen falschen stolz gäbe. da der falsche stolz doof ist, hatte ich keine lust, weiter drüber nachzudenken. zum richtigen stolz fiel mir folgendes ein: man sollte auf nichts sonderlich stolz sein, außer vielleicht darauf, dass man auf nichts sonderlich stolz ist. auf seine bescheidenheit kann man ruhig ein bisschen stolz sein. aber leichter gesagt als getan! um auf seine bescheidenheit stolz sein zu können, muss man vorher auch etwas – und nun muss ich bei dem folgenden, unschönen wort das kleine k in der bearbeitungsleiste drücken – geleistet haben. man kann ja nicht bescheiden bezüglich gar nichts sein. wenn man also schon vom charakterlichen zum stolz-sein neigt, muss man erst tüchtig tüchtig etwas leisten, dann ein bisschen stolz auf das sein, was man da gerade geleistet hat, um dann noch stölzer darauf zu sein, nicht sonderlich stolz auf das zu sein, was man geleistet hat. und da gibt es auch einen spruch vom jessy zu, ich glaube, der zielt in die gleiche richtung. er lautet: „wenn du aber almosen gibst, so laß deine linke hand nicht wissen, was die rechte tut, auf daß dein almosen verborgen sei; und dein vater, der in das verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“ so weit so gut.

schwierig wird es jetzt, wenn jemand bescheidener als all die anderen bescheidenen sein möchte. um so ein ziel zu erreichen, muss der dann nämlich immer noch ein bisschen mehr leisten, damit er zuerst stolz auf das sein kann, was er da gerade herausragendes geleistet hat, um schließlich am stölzesten darauf sein zu können, nicht sonderlich stolz auf das herausragende zu sein.

ja, so könnte es sein.


tschüss und bis zum nächsten mal,
euer undundund

8 Comments:

Anonymous Neo-Bazi said...

Du verwirrst mich ganz schön, was machst du da mit deinen Händen? Soll die Linke nicht sehen, was die Rechte schreibt?

Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Stolz in Bezug auf sich selbst. Schon gar nicht kann man auf seine Bescheidenheit stolz sein, das wäre paradox. Selbstachtung und Zufriedenheit mit seiner Leistung sind die besseren Worte. Es ist auch wichtig, sich selbst lieben zu können, so wie man ist, sonst wird man nie wirklich andere Menschen lieben können. Dabei sollte man freilich nie aufhören, an sich selbst zu arbeiten.

Aber Stolz? Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein: falscher Stolz, wirst du sagen, nur weil Goethe zufällig in ähnlicher Sprache geschrieben hat.
Das hast du gut gemacht, ich bin stolz auf dich: selbst das ist nur ein Wort und eigentlich das falsche.

Bescheidenheit ist weniger Unterschätzung unserer selbst als die Hochschätzung anderer. Damit kommen wir der Sache schon näher. Der Bescheidene ist der Ehrfürchtige.

Gegen Bescheidenheit läßt sich nicht viel einwenden, denn: Echte Bescheidenheit ist letzlich nichts anderes als Einsicht und falsche Bescheidenheit ist die annehmbarste Form der Eitelkeit. (Lothar Schmidt).

Noch etwas:
Bitte gib nie Almosen, schenke höchstens. Und wenn du schenkst, erwarte nie Dank sondern schenke, weil es dir Freude macht.

(Heute früh war Opa wieder mal stolz auf dich ;-)) Ich kann dich verstehen, du warst ja auf der Buchmesse!

4:45 nachm.  
Anonymous Opa said...

Ich hab mir die Hände nochmal angeschaut. Die zeichnen ja. Positiver catch 22?

5:09 nachm.  
Blogger undundund said...

geschätzter kollege,

auch wenn die sprache unsere währung im blogland ist, muss man nicht alles für bare münze nehmen, womit hier gehandelt wird. aber dit weeßte ja. und eigentlich habe ich nur so ein bisschen vor mich hingeschrieben. und hast ganz recht, die paradoxe formulierung von bescheidenheit in verbindung mit dem stolz, das fand ich irgendwie lustig, und deshalb habe ich da mit den begriffen 'stolz' und 'bescheidenheit' ein bisschen herumgequarkst.

ansonsten komplette zustimmung.


ps: das bild ist von escher (die zeichnenden hände oder so). und der hat ja andauernd paradoxe sachen gemalt. da jibbet keine eindeutige relation mehr zwischen dargestellter figur und zugehörigem grund auf seinen bildern.

pps: ob man es nun almosen nennt oder geschenk ist nicht so wichtig, aber das wichtige hast du ja gesagt: almoseln oder schenken sollte freude machen, und darauf kommt es an. jedenfalls beschwert es nicht, sondern erleichtert vielmehr. man könnte jetzt noch ein bisschen länger darüber schreiben, warum schenken eigentlich freude macht, aber ick muss jetzt mal wieder an die arbeit, das paradoxe ruft.

;)

10:40 nachm.  
Anonymous mcwinkel said...

Sie können stolz auf diesen Artikel sein, lieber Herr undundund. Oder aber lieber nicht. Von mir aus könnten Sie aber.

Ich finde, man kann auf alles so stolz sein wie man möchte - solange die Grenze zur Protzerei nicht überschritten wird.

Bin ja ohnehin für sportliches Understatement.

Eigentlich.

6:26 nachm.  
Blogger undundund said...

ihre worte in gottes ohren, herr mcw.

8:01 nachm.  
Anonymous Paul said...

Wäre es eigentlich falsch auf die Bescheidenheit eines anderen Mitmenschen stolz zu sein?
Bin irgendwie verwirrt.

6:40 nachm.  
Anonymous Opa said...

@ Paul

Natürlich wäre das nicht falsch. Bitte lassen Sie sich nicht verwirren, wir denken hier nur ein bißchen laut und widersprechen uns am Ende doch selbst. Mir geht es eigentlich nur darum, ob Stolz das richtige Wort ist für die Bezeichnung dieses Zustandes.

Chopins letzte Worte sind auch Ausdruck eines gewissen Stolzes, als er sagte:
"Meine Versuche sind nach Maßgabe dessen vollendet, was mir zu erreichen möglich war."

Sehr bescheidene Worte für ein stolzes Werk, nicht wahr?

3:50 nachm.  
Blogger undundund said...

werter herr paul,

ein stolz auf die bescheidenheit anderer ist überhaupt der schönste stolz, den es nur einmal geben kann.

und die schönste bescheidenheit besteht dann folgerichtig auch darin, auf diesen stolz nicht sonderlich stolz zu sein.

und die schönste einsicht ist natürlich, dass worte eben nur worte in dem einen wort, das am anfang sein wird, sind.

7:12 nachm.  

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