Dienstag, Oktober 18, 2005

buchmesse SPEZIAL - undundund beobachtet buchmessenmenschen

dienstag: bücher einräumen, stand klar machen, bürokrempel verstauen. nix aufregendes. deswegen heute eine kleine einführung in die messe-welt. so aus erfahrungswerten der letzten jahre zusammengehäkelt. und zwar gibt es:

die veröffentlichten autoren

sind menschen wie du und ich, nur halt eben autoren. diejenigen, die ich gesehen habe, schienen alle sehr nett und freundlich zu sein. ich erinnere mich zum beispiel an eine sex-skandalautorin aus amerika, die war so schüchtern, dass sie ständig eine riesige sonnenbrille aufhatte. jetzt weiß ein jeder, der schon mal in den älteren hallen war, dass "sonne" nicht zu den dingen gehört, die einem normalerweise dort begegnen können. aber ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich so ein buch geschrieben hätte, hätte ich es auch gemacht. mein lieber. von wegen bible-belt, der reinste sex-belt! und klar: da wurde aus dem herrn messebesucher und glühenden verehrer schnell mal ein journalist, der unbedingt einen interview-termin haben wollte. tjaha, denkste.


die unveröffentlichten autoren
muss man weiter unterteilen in

a) gar nicht erst auftauchend, da wissend, dass die lektoren gar keine zeit haben und deshalb in ruhigeren tagen ihren bestseller zum verlag schicken,

b.1) auftauchend, da a) nicht beachtet, aber freundlich,

b.2) auftauchend, da ihnen a) egal ist und sie jetzt unverzüglich den herrn verleger persönlich sprechen wollen, weil er sich unmöglich den bestseller entgehen lassen kann, den b.2) persönlich geschrieben hat.

b.2) ist dementsprechend meist verschroben, unendlich eitel, hat vor der messe ein managermotivationsbüchlein gelesen, penetrant und unfreundlich. man wird ihn im verlauf der messe mindestens einmal täglich sehen, weil er mit einer führungspersönlichkeit persönlich sprechen muss. ich hatte mal zum beispiel einen, der bot ein projekt über sein wunderkind an. es schwallte die begeisterung aus ihm heraus: schon im mutterbauch den mozart vorgespielt, laut den goethe vorgelesen und und und. später stellte sich dann heraus, dass das wunderkind noch gar nicht geboren war. gefürchtet auch: die weltuntergangs-theoretiker. einer gibt mir seit fünf jahren das gleich exposé und sieht im laufe der jahre immer gefährlicher aus. b.2) ist ein seltenes, aber nicht ungewöhnliches exemplar.

die buchhändler-azubis
sind menschen wie du und ich, jedoch schwierige kiste. immer auf ein schnäppchen, dem berüchtigten "lese-exemplar", aus. geben keine ruhe, bevor sei eins in ihre gierigen händchen bekommen. dann jedoch freundlich gurrend und andere lese-exemplare suchend.

die herren verleger
sind menschen wie du und ich, sieht man aber nie auf der messe, da sie die wichtigen deals entweder innerhalb der fünf-sterne-behausung oder auf dem golfplatz regeln. den meisten verlegern wäre es eigentlich lieber, die messe würde in einer hafenstadt stattfinden, damit sie gemütlich mit ihrem schicken segelboot hinsegeln könnten. (natürlich gibt es auch verlegerinnen; ich glaube, die sind mit den shopping-bedingungen ganz zufrieden.)

die damen und herren agenten
sind menschen wie du und ich, haben aber wahrscheinlich mit das größte laufpensum zu verrichten. seit zwei oder drei jahren haben sie endlich auch eine eigene halle, um dort empfangen zu können (das messegelände ist übrigens riesig. gefühlte fußballplatzgröße: 1500 ).

die besucher
kommen am samstag und gehen am sonntag. verstopfen alles: pendelbusse, flure, rolltreppe und dings. ansonsten menschen wie du und ich.

die politprominenz
kommt auch ab und zu. schon ein weilchen her, da habe ich den kohl gesehen, der war einen kopf größer als seine leibwächter, und dann der blüm wiederum, da hast du dich gefragt: was stehen da hinten am regal die fünf gebräunten anzugsmänner so komisch im kreis herum. wenn jetzt so ein kanzler durch die hallen wandert und die neueste buchproduktion bestaunt, bekommt er natürlich von jedem verleger ein kleines geschenk, du kannst es vielleich schon erraten, und richtig: es ist ein buch. das ging dann so, dass der kohl eine hand schüttelte, sich das buch anschaute und dann nach hinten weiterreichte zu seinen jungunionler- vasallen, die die bücher in riesige taschen stopfen und unter der wuchtigen last der heimatlichen buchproduktion zusammenbrachen.

der messebesucher an sich
ist aber voll in ordnung. zivilisiert betrachtet er die neuen errungenschaften des menschlichen geistes und trottet friedlich durch die hallen.

3 Comments:

Anonymous cestsublime said...

Thementechnisch passt das jetzt gar nicht, oder allenfalls, wenn man es sehr grosszuegig unter 'Lesen' verbucht (ha! Buch!!!, also doch passend) ..:
Ich wollte nur anmerken, dass seit der regelmaessigen Lektuere von undundund der Ausdruck Pit Stop eine voellig neue und formeleinsbefreite Bedeutung gewonnen hat.
Bedankt!

6:12 nachm.  
Anonymous Eva said...

Hej, mit großem Spaß habe ich deinen Text gelesen und bin jetzt, nachdem ich endlich zumindest eine Vorstellung von dem habe, was da so ab- und rumläuft, nicht mehr ganz so traurig darüber, wohl noch ein paar Jahre warten zu müssen auf meinen ersten Besuch in Frankfurt. Danke dafür (; Ich bin gespannt, was noch kommt.

4:08 nachm.  
Blogger undundund said...

@ cestsublime & eva: gern geschehen ;)

8:04 nachm.  

Kommentar veröffentlichen

<< Home