Freitag, August 19, 2005

aus aktuellem anlass: die schönsten verurteilungsschriften der päpste (vol. 1)

anlässlich des weltjugendtages wollte ich heute noch einmal die b-seite der kirchengeschichte auflegen. auf den plattenteller kommt gleich ein oldie - es handelt sich um die single-auskopplung "in agro dominico", welche die schriften von meister eckhart verdammt. geschrieben wurde sie von old-school papst johannes xxii und stammt aus dem jahre 1329. ein stück also aus den roaring medieval ages, als die kirche noch den ton angab und die gregorianischen boy-groups weihrauchschnüffelnd durch europas kirchenschiffe tourten.

das stück ist zwar etwas länger als die üblichen singles, beeindruckt aber durch seine schwungvollen und geschliffenen formulierungen. ich glaube nicht, dass heutzutage noch so schön verurteilt wird. sit back and enjoy.



[knister]

"auf dem acker des herrn, dessen hüter und arbeiter wir nach himmlischer verfügung, wenn auch unverdientermaßen, sind, müssen wir die geistliche pflege so wachsam und besonnen ausüben, daß, wenn irgendwann ein feind auf ihm über den samen der wahrheit unkräuter sät, sie im entstehen erstickt werden, bevor sie zu schößlingen verderblichen keimens aufwachsen, damit, nachdem der same der laster abgetötet und die dornen der irrtümer herausgerissen sind, die saat der katholischen wahrheit fröhlich aufgehe.

fürwahr, mit schmerz tun wir kund, daß in dieser zeit einer aus deutschen landen, eckhart mit namen, und, wie es heißt, doktor und professor der heiligen schrift, aus dem orden der predigerbrüder, mehr wissen wollte als nötig war, und nicht entsprechend der besonnenheit und nach der richtschnur des glaubens, weil er sein ohr von der wahrheit abkehrte und sich erdichtungen zuwandte.

verführt nämlich durch jenen vater der lüge, der sich oft in den engeln des lichtes verwandelt, um das finstere und hässliche dunkel der sinne statt des lichtes der wahrheit zu verbreiten, hat dieser irregeleitete mensch, gegen die helleuchtende wahrheit des glaubens auf dem acker der kirche dornen und unkraut hervorbringend und emsig beflissen, schädliche disteln und giftige dornensträucher zu erzeugen, zahlreiche lehrsätze vorgetragen, die den wahren glauben in vieler herzen vernebeln, die er hauptsächlich vor dem einfachen volke in seinen predigten lehrte und die er auch in schriften niedergelegt hat."

[in: archiv für literatur- und kirchengeschichte des mittelalters, 1886]

2 Comments:

Blogger F said...

Er ist heute geradezu liberal, gell?

5:20 nachm.  
Blogger undundund said...

leider, leider. immerhin haben sich für schachtelsätze noch ein paar literaten erwärmen können. wie dieser dings da aus lübeck.

7:36 nachm.  

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